Mittenwald, Berchtesgaden und Tegernsee – eine Reise durch Bayerns Alpen

von | 09.09.2026 | Deutschland

Mein Roadtrip führ­te mich Ende August von der Alpenwelt Karwendel über Berchtesgaden und Salzburg bis an den Tegernsee. Unterwegs kom­bi­nier­te ich E‑MTB-Touren, Golf Übungseinheiten, alpi­ne Landschaften und einen kur­zen Stadtaufenthalt – mit dem Auto als Basis und genü­gend Freiheit für spon­ta­ne Planänderungen.

Besonders in Erinnerung geblie­ben sind mir die E‑MTB-Touren zur Halleranger Alm und zur Archenkanzel, die über­ra­schend ange­neh­me Atmosphäre in Berchtesgaden und der ruhi­ge Abschluss am Tegernsee. Salzburg war für mich dage­gen eher eine kur­ze Kulturstation als ein Ort für einen län­ge­ren Aufenthalt.

Das Wichtigste zu die­ser Reise:

  • Route: Alpenwelt Karwendel mit Wallgau und Mittenwald → Berchtesgaden und Königssee → Salzburg → Tegernsee
  • Reisezeit: Ende August
  • Reiseform: Roadtrip mit Auto und E‑MTB
  • Schwerpunkte: E‑MTB-Touren, alpi­ne Landschaften, regio­na­le Gastronomie und Salzburg als Kulturstopp

Persönliche Einschätzung: Besonders viel Zeit wür­de ich wie­der für Karwendel und Berchtesgaden ein­pla­nen; für Salzburg waren mir zwei Übernachtungen aus­rei­chend.

Spätsommer in der Alpenwelt Karwendel

Im Juni hat­te das Wetter noch nicht mit­ge­spielt. Ende August pass­te dann plötz­lich alles: der Termin, die Prognosen und die Lust, ein paar Tage zwi­schen Bergen, Bike und Golfplatz zu ver­brin­gen. Also pack­te ich Auto, Bike und Golfschläger und mach­te mich auf den Weg in die Alpenwelt Karwendel.

Gebucht hat­te ich im Parkhotel Wallgau. Ursprünglich woll­te ich in Mittenwald über­nach­ten, muss­te bei der Suche jedoch fest­stel­len, dass aus­ge­rech­net jene Hotels bereits aus­ge­bucht waren, die mei­nem Geschmack ent­spra­chen. Das über­rasch­te mich etwas – Ende August scheint die Region gefrag­ter zu sein, als ich erwar­tet hat­te.

Letztlich erwies sich Wallgau ohne­hin nicht als Kompromiss. Ob Mittenwald, Krün oder Wallgau macht in die­ser Gegend kaum einen ent­schei­den­den Unterschied. Die Orte lie­gen nur weni­ge Fahrminuten von­ein­an­der ent­fernt.

Sicht auf Wallgau Dorf

Parkhotel Wallgau – mein Eindruck nach einigen Tagen

Der Check-in ist rasch erle­digt, und wenig spä­ter ste­he ich in mei­nem Chalet-Zimmer. Wobei «Zimmer» fast etwas unter­trie­ben ist. Mit über 60 Quadratmetern Wohn- und Schlafbereich, sepa­ra­tem Schlafzimmer, begeh­ba­rem Kleiderschrank und gross­zü­gi­gem Bad ist hier genü­gend Platz vor­han­den, um sich für ein paar Tage bequem ein­zu­rich­ten.

Dazu kom­men die Südlage, viel Stille und der Blick auf das Karwendelgebirge. Das Interieur ist unver­kenn­bar baye­risch: viel Holz, rus­ti­ka­le Elemente und eine Gestaltung, die man mögen muss. Für mich passt genau das hier­her. Gleichzeitig merkt man den Zimmern an der einen oder ande­ren Stelle an, dass die Zeit nicht ganz spur­los an ihnen vor­bei­ge­gan­gen ist. Noch stört das nicht wirk­lich, doch ein gewis­ser Patina-Effekt ist vor­han­den.

Besonders posi­tiv in Erinnerung geblie­ben ist mir der Service. Die Mitarbeitenden waren durch­wegs herz­lich, auf­merk­sam und ange­nehm unkom­pli­ziert. Zwar gab es ver­ein­zelt klei­ne sprach­li­che Hürden, doch die spiel­ten letzt­lich kaum eine Rolle – Freundlichkeit braucht bekannt­lich nicht immer per­fek­te Grammatik.

Auch die zusätz­lich gebuch­te Halbpension erwies sich als gute Entscheidung. Die Küche war abwechs­lungs­reich, sorg­fäl­tig zube­rei­tet und genau rich­tig nach einem akti­ven Tag draus­sen. Insgesamt ist das Parkhotel Wallgau für mich eine sehr stim­mi­ge Ausgangsbasis für Touren in der Region – nicht wegen gros­ser Inszenierung, son­dern weil vie­les ange­nehm selbst­ver­ständ­lich funk­tio­niert.

Golf- & Landclub Karwendel

Nur weni­ge Fahrminuten vom Parkhotel ent­fernt liegt der Golf- & Landclub Karwendel, ein­ge­bet­tet in eine Landschaft, die fast schon ein wenig vom eigent­li­chen Üben ablenkt. Für eine kom­plet­te Runde ist es bei mir noch zu früh – ich habe erst vor weni­gen Wochen mit dem Golfspielen begon­nen –, des­halb beschrän­ke ich mich auf die Driving Range und die Übungsanlagen.

Gerade dafür ist der Platz ide­al. Ohne gros­sen Ehrgeiz, dafür mit viel Freude am Lernen, ver­brin­ge ich eini­ge Zeit mit Abschlägen und kur­zen Schlägen. Dass sich dabei im Hintergrund die Berge erhe­ben, macht die Sache natür­lich nicht schwie­ri­ger. Zumindest nicht für die Motivation.

Mittenwald – Lüftlmalerei vor alpiner Kulisse

Mittenwald ist für mich eines jener Städtchen, bei denen man schon nach weni­gen Schritten ver­steht, wes­halb so vie­le Besucher hier­her­kom­men. Der his­to­ri­sche Ortskern wirkt gepflegt und leben­dig, ohne sich all­zu sehr in Szene zu set­zen.

Besonders auf­fäl­lig sind die reich bemal­ten Häuser mit ihrer tra­di­tio­nel­len Lüftlmalerei. Viele Fassaden erzäh­len klei­ne Geschichten und geben den Gassen einen eige­nen Charakter. Dahinter ragen die mäch­ti­gen Felswände auf – eine Kulisse, die so prä­sent ist, dass man sie selbst zwi­schen den Häuserzeilen immer wie­der wahr­nimmt.

Gut gefal­len haben mir auch die vie­len gepfleg­ten Grünflächen, die sich durch den Ort zie­hen. Dazu kommt der klei­ne Bach, der durch die Fussgängerzone plät­schert und Mittenwald etwas ange­nehm Unaufgeregtes ver­leiht.

Das Zentrum von Mittenwald mit Blick auf die Kirche
Lüftlmalerei - Bauern im Wirtshaus
Bach welcher durch MIttenwald fliesst, im Hintergrund die Berge
Was den Ort für mich zusätz­lich sym­pa­thisch macht, ist der Verzicht auf all­zu viel Inszenierung wie zum Beispiel in Gstaad. Statt Luxusgeschäften und tou­ris­ti­schem Hochglanz fin­det man klas­si­sche Wirtshäuser, klei­ne­re Handwerksbetriebe und viel geleb­te Tradition. Natürlich ist auch Mittenwald längst kein unent­deck­ter Ort mehr. Trotzdem hat sich das Städtchen genü­gend Eigenständigkeit bewahrt, um nicht wie eine alpi­ne Kulisse für Besucher zu wir­ken.

E‑MTB-Touren im Karwendel

E‑MTB von Mittenwald zur Isarquelle und weiter zur Halleranger Alm

Diese Tour war für mich die schöns­te, gleich­zei­tig aber auch die anspruchs­volls­te mei­ner E‑MTB-Touren. Das Quellgebiet der Isar woll­te ich schon lan­ge ein­mal mit dem Bike errei­chen. Bilder die­ser Landschaft hat­ten sich bei mir fest­ge­setzt – und irgend­wann war klar, dass ich die­se Strecke selbst fah­ren woll­te.

Das ers­te Teilstück führt von Mittenwald durch das Naturschutzgebiet Riedboden Richtung Scharnitz. Der Grenzübertritt nach Österreich geschieht dabei fast bei­läu­fig. Ab Scharnitz wird es zuneh­mend alpin. Die Strecke folgt auf einer Forststrasse der jun­gen Isar, vor­bei an schat­ti­gen Wäldern und immer tie­fer hin­ein zwi­schen mäch­ti­ge Felswände. Die wei­te, ursprüng­li­che Wildflusslandschaft erin­nert mich immer wie­der an Kanada: Kiesbänke, kla­res Wasser, Wald und Berge.

Blick auf die Isar
Ein Fussweg führt schliess­lich zur Isarquelle. Kann man besu­chen, muss man mei­ner Meinung nach aber nicht zwin­gend. Fast span­nen­der fin­de ich die Landschaft rund­her­um, die ohne­hin längst zum eigent­li­chen Erlebnis gewor­den ist. Etwas wei­ter oben liegt die Kastenalm. Schon bei der Ankunft wird klar, dass die­se Tour kein Geheimnis ist: Bike um Bike lehnt am Zaun. Genau hier stel­le ich mit Schrecken fest, dass mein Schloss im Hotel geblie­ben ist. Das Bike ein­fach unbe­auf­sich­tigt ste­hen zu las­sen, wider­strebt mir – also bleibt nur eine Alternative: wei­ter zur Halleranger Alm.

Was zunächst nach einer spon­ta­nen Planänderung klingt, ent­wi­ckelt sich rasch zur sport­li­chen Herausforderung. Der Anstieg ist steil. Sehr steil. Irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem ich mei­ne Beine nicht mehr mit fal­schem Ehrgeiz beein­dru­cken muss und dank­bar den Turbo-Modus bemü­he. Genau dafür habe ich schliess­lich ein E‑MTB.

Oben auf der Halleranger Alm ist die Anstrengung schnell ver­ges­sen. Das Panorama ist ein­drück­lich, die Bergwelt wirkt plötz­lich weit und offen, und bei einer fei­nen Brotzeit bleibt genü­gend Zeit, ein­fach sit­zen zu blei­ben und zu schau­en. Manchmal ent­ste­hen die bes­ten Momente einer Tour eben genau dann, wenn der ursprüng­li­che Plan nicht funk­tio­niert..

E‑MTB von Wallgau zur Fischbachalm

Deutlich gemäch­li­cher beginnt die Tour von Wallgau zur Fischbachalm. Zunächst führt die Route durch den brei­ten Talboden rund um Wallgau, bevor ein schat­ti­ger Forstweg lang­sam an Höhe gewinnt und immer tie­fer in die alpi­ne Bergwelt hin­ein­führt.

Der Weg ist ange­nehm zu fah­ren und lässt genü­gend Gelegenheit, die Umgebung wahr­zu­neh­men. Oben liegt die bewir­te­te Fischbachalm – schlicht, länd­lich und genau dort, wo man nach dem Aufstieg ger­ne eine Weile bleibt..

Blick auf die Fischbachalm

E‑MTB von Wallgau über den Fischbach Trail zur Wallgauer Alm

Für die Tour zur Wallgauer Alm ent­schei­de ich mich gegen die direk­te Variante und neh­me zunächst den Fischbach Trail unter die Räder. Eine Entscheidung, die sich lohnt.

Der schma­le Pfad folgt dem glas­kla­ren Fischbach. Bis auf ein etwas stei­le­res Teilstück ist er ange­nehm zu fah­ren, tech­nisch nicht über­mäs­sig anspruchs­voll und land­schaft­lich beson­ders reiz­voll. Immer wie­der öff­net sich der Blick auf das Wasser, das neben dem Weg durch Wald und Felsen fliesst.

Entlang des Fischbach Trail
Nach die­sem eher genuss­vol­len Teil ändert sich der Charakter der Tour. Über eine Forststrasse beginnt der lan­ge, ste­ti­ge Anstieg hin­auf zur Wallgauer Alm. Hier ist wie­der etwas Ausdauer gefragt.

Oben ange­kom­men, war­tet das, was auf einer sol­chen Tour fast eben­so wich­tig ist wie die Aussicht: eine Brotzeit. Und nach eini­gen Höhenmetern schmeckt die bekannt­lich noch­mals ein wenig bes­ser.

Berchtesgaden – zwischen Königssee und Kehlsteinhaus

Schon bei der Hotelsuche rund um Mittenwald hat­te ich gemerkt, wie gefragt die Region Ende August ist. In Berchtesgaden wie­der­hol­te sich das Spiel: Praktisch alles, was für mich infra­ge kam, war aus­ge­bucht. Verfügbarkeiten gab es noch im Kempinski aus­ser­halb des Ortes und im Hotel Edelweiss mit­ten in Berchtesgaden.

Meine Entscheidung fiel schnell. Auf inter­na­tio­na­le Fünf-Sterne-Atmosphäre hat­te ich für die­se Reise wenig Lust, und zudem woll­te ich lie­ber direkt im Ort woh­nen. Also rief ich im Hotel Edelweiss an und reser­vier­te dort mein Zimmer – ganz klas­sisch tele­fo­nisch und ange­nehm unkom­pli­ziert.

Die Fahrt nach Berchtesgaden führ­te mich über Landstrassen durch Österreich und vor­bei am Achensee. Eine Strecke, die land­schaft­lich genü­gend bie­tet, um nicht ein­fach nur Kilometer abzu­spu­len. Am See leg­te ich eine Pause ein und gönn­te mir einen Lunch auf der Gartenterrasse des Seehotel Einwaller. Ein sehr pas­sen­der Zwischenhalt: direkt am Wasser, mit schö­ner Aussicht und genau der rich­ti­gen Länge für eine Unterbrechung auf dem Weg.

Berchtesgaden selbst emp­fängt mich mit einem Ortskern, der ange­nehm tra­di­tio­nell wirkt. Rund um den Marktplatz ste­hen his­to­ri­sche Häuser, dazwi­schen klei­ne Geschäfte, Cafés und Gasthäuser. Es ist leben­dig, aber nicht hek­tisch, gepflegt, aber nicht her­aus­ge­putzt. Eine Atmosphäre, in der ich mich schnell wohl­füh­le.

Das Dorf Berchtesgaden

Hotel Edelweiss Berchtesgaden – mittendrin und doch angenehm ruhig

Bei der Buchung hat­te ich übri­gens noch ein wenig Glück: Ich bekam das letz­te ver­füg­ba­re Zimmer, ein Panorama-Doppelzimmer Superior Jenner. Zunächst war ich etwas ent­täuscht, dass es nicht eines der Zimmer mit direk­tem Bergpanorama gewor­den war. Stattdessen ver­sprach die Beschreibung eine «male­ri­sche Aussicht über die Dächer» – eine Formulierung, bei der man im Hotelmarketing bekannt­lich etwas vor­sich­tig sein darf.

In die­sem Fall war die Beschreibung aller­dings nicht ganz aus der Luft gegrif­fen. Die Aussicht über Berchtesgaden ist tat­säch­lich offen und weit, und die Zimmer auf die­ser Seite lie­gen ange­nehm ruhig. Nach einer ruhi­gen Nacht war das ver­meint­li­che Minus des­halb kei­nes mehr.

Wie bereits im Parkhotel Wallgau über­rascht mich auch hier die aus­ge­präg­te Servicekultur. An der Réception eben­so wie beim Frühstück begeg­nen mir Mitarbeitende, die auf­merk­sam, freund­lich und gleich­zei­tig ange­nehm unge­zwun­gen auf­tre­ten. Zwei Hotels, zwei unter­schied­li­che Häuser – und doch bleibt mir bei bei­den vor allem die herz­li­che Art des Personals in Erinnerung.

Zu den beson­de­ren Seiten des Edelweiss gehört die Dachterrasse mit Rooftop-Bar und Restaurant. Dazu kom­men der Innenpool und ein gross­zü­gi­ger Infinity-Whirlpool im Aussenbereich mit Blick auf die umlie­gen­de Bergwelt.

Bei Letzterem hat­te ich zunächst leich­te Bedenken. Nach ent­spre­chen­den Erfahrungen wäh­rend eines Aufenthalts an der Côte d’Azur sah ich inner­lich bereits eine klei­ne Versammlung selbst ernann­ter Influencer vor mir, die mehr mit dem per­fek­ten Foto als mit dem Wasser beschäf­tigt sind. Zu mei­ner Erleichterung blieb die­ses Szenario in Berchtesgaden aus. Der Pool lässt sich tat­säch­lich ein­fach als das nut­zen, wofür er gedacht ist.

Praktisch sind zudem das Parkhaus mit direk­tem Zugang zum Hotel sowie ein eige­ner Bikeraum. Unter dem Strich hat mich das Edelweiss über­zeugt: zen­tral gele­gen, kom­for­ta­bel und mit einem Service, der dem Haus eine ange­nehm per­sön­li­che Note gibt.

Gasthof Neuhaus – ein bayerischer Abend

Am Abend zieht es mich in den Biergarten des Gasthofs Neuhaus. Hier geht es währ­schaft zu: klas­si­sche baye­ri­sche Küche, ein ordent­li­ches Bier und dazu tra­di­tio­nel­le Klänge, die erstaun­lich gut zur Szenerie pas­sen. Ein Gasthaus, das genau das macht, was man sich an die­sem Ort davon ver­spricht.

Ein Paar aus Berlin setzt sich zu mir an den Tisch. Aus einer zunächst bei­läu­fi­gen Begegnung ent­wi­ckelt sich rasch ein kurz­wei­li­ger Abend – eine jener klei­nen Reisebekanntschaften, die sich nicht pla­nen las­sen und gera­de des­halb oft län­ger in Erinnerung blei­ben.

Obersalzberg und Kehlsteinhaus – Lohnt es sich trotz den vielen Besuchern?

Eigentlich hat­te ich den Besuch des Kehlsteinhauses bereits gestri­chen. Zu bekannt, zu tou­ris­tisch, ver­mut­lich zu vie­le Menschen – so zumin­dest mei­ne Vorstellung. Doch das Paar aus Berlin, das ich am Vorabend im Gasthof Neuhaus ken­nen­ge­lernt hat­te, emp­fahl mir den Ausflug aus­drück­lich. Also änder­te ich mei­nen Plan. Und schon vor­weg: Es wäre tat­säch­lich scha­de gewe­sen, dar­auf zu ver­zich­ten.

Am Obersalzberg gibt es zwei gros­se Parkplätze, und bei mei­ner Ankunft sind noch genü­gend Plätze frei. Auch am Ticketschalter herrscht erstaun­lich wenig Betrieb – ver­mut­lich haben die meis­ten Besucher ihre Tickets längst online orga­ni­siert. Von dem erwar­te­ten Gedränge ist jeden­falls nichts zu spü­ren.

Die rund 15-minütige Fahrt mit dem Elektro-Bus hin­auf ist ange­nehm und führt über eine ein­drück­li­che Bergstrasse. Danach geht es durch den Tunnel und mit dem Lift noch­mals rund 140 Höhenmeter nach oben. Alles funk­tio­niert rei­bungs­los: kein lan­ges Warten, kein Anstehen, kei­ne Menschenmassen, durch die man sich erst hin­durch­ar­bei­ten müss­te. Meine anfäng­li­chen Bedenken erwei­sen sich zumin­dest an die­sem Tag als unbe­grün­det.

Oben ange­kom­men ver­ste­he ich end­gül­tig, wes­halb mir der Besuch emp­foh­len wur­de. Die Rundumsicht über die Berchtesgadener Alpen ist ein­drück­lich. Der Watzmann, der Königssee und die umlie­gen­den Gipfel brei­ten sich vor mir aus, und für eine Weile tritt selbst die Bekanntheit des Ortes in den Hintergrund.

Natürlich lässt sich das Kehlsteinhaus nicht los­ge­löst von sei­ner Geschichte betrach­ten. Gerade des­halb gehört für mich auch ein Besuch der Dokumentation Obersalzberg dazu. Sie setzt sich aus­führ­lich mit der Geschichte des Ortes wäh­rend des Nationalsozialismus aus­ein­an­der und gibt dem Aufenthalt eine not­wen­di­ge his­to­ri­sche Einordnung. Die Aussicht allein wäre ein­drück­lich – der Ort ver­langt aber auch danach, sich mit dem aus­ein­an­der­zu­set­zen, was hier gesche­hen ist.

Am Ende bin ich froh, mei­ne ursprüng­li­che Meinung geän­dert zu haben. Nicht jeder bekann­te Ort muss zwangs­läu­fig unter sei­ner Popularität lei­den. Manchmal lohnt es sich eben doch, einen tou­ris­ti­schen «Hotspot» nicht vor­schnell von der eige­nen Liste zu strei­chen.

Sicht auf das Kehlsteinhaus und die Berge

Golfclub Berchtesgaden – Üben mit Bergkulisse

Fast pas­send zu mei­nem bis­he­ri­gen Reiseprogramm liegt der Golfclub Berchtesgaden auf dem Weg zum Obersalzberg und damit nur weni­ge Fahrminuten vom Zentrum ent­fernt.

Nach mei­nen ers­ten Übungseinheiten bei Wallgau bie­tet sich auch hier die Gelegenheit, ein wenig an mei­nem noch jun­gen Golfspiel zu arbei­ten. Und wie schon eini­ge Tage zuvor ist die Umgebung dabei min­des­tens so prä­sent wie Ball und Schläger.

Mit dem E‑MTB zur Kührointalm und Archenkanzel

Eigentlich hat­te ich eine Tour zur Gotzenalm geplant. Doch ein genaue­rer Blick auf das Höhenprofil mit lan­gen Anstiegen und Passagen von bis zu 25 Prozent Steigung lässt mich noch­mals über mei­ne Ambitionen nach­den­ken. Nach der Halleranger Alm weiss ich inzwi­schen, dass ein E‑MTB zwar vie­les erleich­tert, aber nicht sämt­li­che Gesetze der Schwerkraft aus­ser Kraft setzt. Also suche ich nach einer Alternative.

Die Wahl fällt auf die Kührointalm. Auch die­se Tour ver­langt eini­ge Höhenmeter, bleibt für mich aber in einem ver­nünf­ti­gen Verhältnis zwi­schen sport­li­cher Herausforderung und Genuss. Nach dem Aufstieg gön­ne ich mir bei der Hütte einen klei­nen Imbiss, bevor ich noch einen Abstecher zur Archenkanzel anhän­ge.

Das Bike bleibt ste­hen, die letz­ten Minuten geht es zu Fuss wei­ter. Nach etwa zehn Minuten errei­che ich den Aussichtspunkt – und spä­tes­tens hier weiss ich, dass sich der zusätz­li­che Weg gelohnt hat. Tief unter mir liegt der Königssee, ein­ge­rahmt von stei­len Berghängen und aus die­ser Perspektive bei­na­he unwirk­lich schmal.

Blick von der Archenkanzel auf den Königssee
Dieser kur­ze Abstecher gehört für mich zu den schöns­ten Momenten rund um Berchtesgaden. Wer mit dem Bike bis zur Kührointalm fährt, soll­te die zusätz­li­chen Minuten zur Archenkanzel unbe­dingt ein­pla­nen. Selten bekommt man für einen so kur­zen Fussmarsch eine der­art ein­drück­li­che Aussicht gebo­ten.

Schönau am Königssee

Später fah­re ich noch hin­un­ter nach Schönau am Königssee. Schon der rie­si­ge Parkplatz lässt erah­nen, was hier an beson­ders gut besuch­ten Tagen los sein dürf­te. Bei mei­nem Besuch ist die Situation jedoch erfreu­lich ent­spannt: Ich fin­de pro­blem­los einen Platz und schlen­de­re gemüt­lich Richtung See.

Je näher man dem Wasser kommt, des­to deut­li­cher wird, dass hier vie­les auf Besucher aus­ge­rich­tet ist. Geschäfte, Gastronomie und natür­lich die Bootsanlegestelle prä­gen das Bild.

Im Mittelpunkt steht die Fahrt mit den Elektrobooten über den Königssee. Dass die­se elek­trisch unter­wegs sind, passt für mich aus­ge­zeich­net zu die­ser Landschaft. Dieselbetrieb mag bei den Vaporetti in Venedig irgend­wie dazu­ge­hö­ren – hier zwi­schen Wasser und stei­len Bergflanken wür­de das sono­re Motorengeräusch doch ziem­lich aus der Zeit gefal­len wir­ken.

Sicht auf den Königssee und Motorbooten
Auf eine Bootsfahrt ver­zich­te ich dies­mal trotz­dem. Nicht aus man­geln­dem Interesse, son­dern weil mei­ne Reise wei­ter­geht. Salzburg war­tet – und manch­mal gehört zum Reisen eben auch die Entscheidung, nicht alles mit­zu­neh­men, nur weil man gera­de davor­steht.

Salzburg – zwischen Altstadt, Mozart und Musik

Vom Königssee ist es nicht mehr weit bis Salzburg. Nach meh­re­ren Tagen, in denen Berge, Bike und Golf mein Reiseprogramm bestimmt haben, ver­än­dert sich damit auch der Rhythmus. Für zwei Nächte tau­sche ich die alpi­ne Landschaft gegen Gassen, Kirchen, Konzerte – und natür­lich Mozart.

Residenzplatz Salzburg

Zwischen Mozart und Fürsterzbischöfen

Was wäre Salzburg heu­te ohne Mozart? Zumindest tou­ris­tisch wäre die Stadt wohl um eine ihrer gröss­ten Attraktionen ärmer. Sein Name begeg­net einem bei­na­he über­all, mal dezent, mal weni­ger dezent. Dabei wur­de Salzburg über Jahrhunderte nicht von einem klas­si­schen Adelshof geprägt, son­dern von den Fürsterzbischöfen, die zugleich geist­li­che und welt­li­che Herrscher waren. Dieser Einfluss ist der Stadt bis heu­te anzu­se­hen.

Die gepfleg­te Altstadt lässt sich wun­der­bar zu Fuss erkun­den. Es gibt zahl­rei­che Geschäfte, eini­ge Luxusläden und natür­lich jene bekann­ten Gassen und Plätze, die Salzburg sein unver­wech­sel­ba­res Stadtbild geben.

Am bes­ten gefällt mir aller­dings die Linzer Gasse auf der ande­ren Seite der Salzach. Mit ihren Restaurants und Lokalen wirkt sie auf mich leben­di­ger und etwas unge­zwun­ge­ner als die eigent­li­che Altstadt. Besonders am Abend habe ich das Gefühl, dass sich das Leben hier weni­ger an Sehenswürdigkeiten ori­en­tiert und dafür etwas selbst­ver­ständ­li­cher statt­fin­det.

Salzburg hören – Musik als Teil der Reise

Schon am Ankunftstag besu­che ich Mozarts Violinsonaten in der Erzabtei St. Peter. Für mich ein sehr pas­sen­der Einstieg in Salzburg: klein besetzt, kon­zen­triert und ohne gros­se Inszenierung.

Am fol­gen­den Tag geht es musi­ka­lisch wei­ter. Zunächst besu­che ich das Orgelkonzert im Salzburger Dom, des­sen Innenraum schon für sich einen Besuch wert ist. Am Abend folgt ein Kammerkonzert auf der Festung, kom­bi­niert mit einem Abendessen im Restaurant.

Besonders schön ist dort die Aussenterrasse mit dem wei­ten Blick auf die gegen­über­lie­gen­de Berg- und Landschaftsseite. Nach dem Trubel in den Gassen ist das ein ange­neh­mer Perspektivenwechsel.

Empfehlen kann ich alle drei Veranstaltungen. Am meis­ten beein­druckt haben mich jedoch die Violinsonaten in St. Peter. Es erstaunt mich immer wie­der, wel­che Klangfülle allein eine Violine und ein Klavier her­vor­brin­gen kön­nen. Vielleicht lag es auch am inti­me­ren Rahmen – jeden­falls war dies jener musi­ka­li­sche Moment, der mir von Salzburg am stärks­ten in Erinnerung geblie­ben ist.

Hotel & Villa Auersperg – etwas abseits des Altstadttrubels

Für mei­ne bei­den Nächte habe ich mich für das Hotel & Villa Auersperg ent­schie­den. Es liegt nur weni­ge Gehminuten von der Linzer Gasse ent­fernt und damit zen­tral genug, um Salzburg weit­ge­hend zu Fuss zu erkun­den, ohne unmit­tel­bar im tou­ris­tischs­ten Teil der Altstadt zu woh­nen.

Sehr geschätzt habe ich den eige­nen Parkplatz – ein Detail, das auf die­ser Reise deut­lich mehr zählt als wenn man ohne Biketräger unter­wegs ist. Diesen Komfort lässt sich das Haus aller­dings auch ent­spre­chend bezah­len.

Wer ein unkom­pli­zier­tes, ange­nehm ruhig gele­ge­nes Hotel in Zentrumsnähe sucht, fin­det hier eine gute Adresse. Für mich pass­te es jeden­falls gut zu die­sem kur­zen Stadtaufenthalt.

Wie viele Tage würde ich für Salzburg einplanen

Für mich eher nicht. Das ist kei­nes­wegs als Kritik an der Stadt zu ver­ste­hen. Salzburg ist schön, kul­tu­rell inter­es­sant, und gera­de die musi­ka­li­schen Veranstaltungen haben mir sehr gefal­len. Trotzdem hat­te ich nach einem vol­len Tag das Gefühl, das für mich Wesentliche gese­hen und erlebt zu haben.

Mit zwei Übernachtungen blieb genü­gend Zeit für die Altstadt, eini­ge der wich­tigs­ten Sehenswürdigkeiten, die Konzerte und auch für einen Eindruck vom abend­li­chen Salzburg. Mehr habe ich per­sön­lich nicht gebraucht.

Vielleicht liegt es auch am Charakter die­ser Reise. Nach den Tagen auf dem Bike und in den Bergen mer­ke ich, dass es mich wie­der hin­aus­zieht. Und so passt es ganz gut, dass am nächs­ten Morgen bereits die letz­te Station war­tet: der Tegernsee

Tegernsee – ein ruhiger Ausklang

Nach Salzburg führt mich die letz­te Etappe der Reise an den Tegernsee. Auch hier wie­der­holt sich zunächst das inzwi­schen ver­trau­te Spiel: Viele Hotels sind bereits aus­ge­bucht. Schliesslich stos­se ich auf das Garni Landhaus am Stein – und für die letz­ten Tage passt die­se Wahl erstaun­lich gut.

Blick auf den Tegernsee

Garni Landhaus am Stein – angenehm unkompliziert

Der Empfang im Landhaus am Stein ist freund­lich, zugleich spü­re ich eine gewis­se Reserviertheit – viel­leicht auch jene höf­li­che, etwas sach­li­che­re Art, die auf mich als Schweizer bis­wei­len typisch deutsch wirkt.

Das Hotel liegt in einem ruhi­gen Wohnviertel. Von der Hauptstrasse dringt nur wenig Verkehrslärm her­über, und nachts ist es ange­nehm still. Am Morgen über­nimmt dafür der Hahn von neben­an zuver­läs­sig den Weckdienst – ganz ohne Aufpreis.

Beim Frühstück fällt mir auf, dass hier vor allem die Boomer-Generation ver­tre­ten ist. Man begrüsst sich freund­lich, tauscht ein paar Worte und wid­met sich danach wie­der dem eige­nen Tisch. Auch das trägt zu die­ser ange­nehm unauf­ge­reg­ten Atmosphäre bei.

Das Frühstück selbst ist aller­dings aus­ser­ge­wöhn­lich gut und deut­lich auf­wen­di­ger, als ich es in einem Garni-Hotel erwar­tet hät­te. Seesicht bie­tet das Haus zwar kei­ne, dafür eine gewis­se Beschaulichkeit, die mir zum Abschluss der Reise gut gefällt.

Ich habe mich hier wohl­ge­fühlt – viel­leicht auch des­halb, weil vie­les unkom­pli­zier­ter wirkt und die Anspruchshaltung der Gäste spür­bar ent­spann­ter ist als in man­chen Luxushotels.

Zwei Restaurantadressen, die mir in Erinnerung geblieben sind

Im Käfer Gut Kaltenbrunn sass ich nicht im gros­sen Selbstbedienungs-Biergarten, son­dern im bedien­ten Restaurant. Die Lage über dem See ist bemer­kens­wert: Von hier öff­net sich der Blick weit über den Tegernsee und die umlie­gen­den Berge. Die Küche ist währ­schaft, regio­nal geprägt – genau pas­send zu die­sem Ort.

Kulinarisch anders prä­sen­tiert sich das EGERN 51 in Rottach-Egern. Das Restaurant  ver­bin­det die Küche euro­päi­sche Klassiker mit asia­ti­schen Einflüssen, ohne dass dar­aus eine belie­bi­ge Fusion ent­steht. Ich habe dort aus­ge­zeich­net geges­sen. Zusammen mit der Terrasse und dem unmit­tel­ba­ren Blick auf den See war das für mich der fei­ne­re der bei­den Restaurantbesuche.

Driving Range – noch einmal am Schwung arbeiten

Nur weni­ge Fussminuten vom Hotel ent­fernt befin­det sich die Driving Range von Wiesseegolf. Für mich ide­al, um noch­mals unkom­pli­ziert eini­ge Bälle zu schla­gen.

E‑MTB von Bad Wiessee zur Aueralm – Genuss statt Höhenmeter

Auch das Bike bekommt zum Abschluss noch­mals sei­nen Auftritt. Als letz­te Tour der Reise bike ich vom Landhaus am Stein hin­auf zur Aueralm.

Eine gros­se sport­li­che Herausforderung suche ich dies­mal bewusst nicht mehr. Nach Halleranger Alm, Kührointalm und eini­gen wei­te­ren Höhenmetern darf der letz­te Tag etwas gemäch­li­cher aus­fal­len. Diesmal steht ein­deu­tig der Genuss im Vordergrund.

Oben ange­kom­men öff­net sich von der Almhütte der Blick auf die umlie­gen­de Berglandschaft. Ich suche mir einen Platz, bestel­le einen Kaiserschmarrn und las­se die letz­ten Tage ein wenig Revue pas­sie­ren.

Danach geht es gemüt­lich zurück zum Hotel — eine letz­te Abfahrt – und lang­sam das Gefühl, dass die­se Reise nun tat­säch­lich zu Ende geht.

Auf dem Weg zur Aueralm Tegernsee

Im Rückblick — Mittenwald, Berchtesgaden, Salzburg und Tegernsee

Diese Reise war weni­ger durch einen fes­ten Plan geprägt als durch die Freiheit, unter­wegs immer wie­der neu zu ent­schei­den. Schon die Hotelsuche zeig­te mir, dass Ende August vie­les gefrag­ter war als erwar­tet. Aus ver­meint­li­chen Ausweichlösungen wur­den am Ende jedoch oft genau jene Orte, an denen ich mich beson­ders wohl­fühl­te.

Am stärks­ten in Erinnerung blei­ben mir die Touren durch die alpi­ne Landschaft, die spon­ta­nen Planänderungen und jene klei­nen Begegnungen, die sich nicht orga­ni­sie­ren las­sen. Mittenwald und Berchtesgaden haben mich dabei mehr über­rascht als erwar­tet, Salzburg vor allem kul­tu­rell über­zeugt. Der Tegernsee war schliess­lich der pas­sen­de, ange­nehm unspek­ta­ku­lä­re Abschluss.

Vielleicht liegt genau dar­in der Reiz die­ser Reise: Nicht jeder Ort muss­te zum Höhepunkt wer­den. Entscheidend war viel­mehr das Zusammenspiel aus Landschaft, Bewegung, guten Gastgebern und dem Gefühl, unter­wegs genü­gend Raum für spon­ta­ne Entscheidungen zu haben. Ebenfalls zu emp­feh­len sind E‑Bike-Touren in Schwangau und Füssen.

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