Sicht auf den Pico Vulkan von Faial aus

Faial Azoren: zwischen Kratern, Hafenflair und Pico-Blick

von | 15.05.2026 | Portugal

Faial emp­fängt uns mit einer kur­zen, leicht beweg­ten Überfahrt von Pico – und mit die­sem Blick zurück auf den Vulkan, der uns schon auf der Nachbarinsel beglei­tet hat. Vielleicht sieht man den Pico nir­gends schö­ner als von Faial aus: über den Hafen von Horta hin­weg, im Abendlicht, zwi­schen Segelbooten, bemal­ten Mauern und Atlantikluft.

Doch Faial ist mehr als die Insel mit der bes­ten Aussicht auf den Pico. Am Capelinhos wird die jüngs­te Vulkangeschichte der Azoren sicht­bar und fast greif­bar, wäh­rend die Umwanderung der Caldeira zeigt, wel­che Kräfte die­se Landschaft geformt haben. Und dann ist da Horta, das eigent­li­che Herz der Insel: welt­of­fen, mari­tim und leben­di­ger als vie­le ande­re Orte unse­rer Reise.

Unsere Azorenroute im April: São MiguelSão JorgePico — Faial — São Miguel

Mit der Fähre von Pico nach Horta

Unsere Fähre nach Faial ist ein klei­ne­res Schiff. Wir neh­men auf den Stühlen im Aussenbereich des Hecks Platz. Inzwischen hat es auf­ge­hört zu reg­nen, doch das Meer ist alles ande­re als ruhig. Die Schaumkronen auf den Wellen las­sen bereits erken­nen, dass es kei­ne ganz glat­te Fahrt wird.

Aber es sind nur rund 25 Minuten bis nach Horta, unse­rer nächs­ten Destination. Und ja, das Boot rollt immer wie­der von einer Seite zur ande­ren, aber es hält sich in Grenzen. Mit fes­tem Blick auf den Horizont kann sogar ich die­se Fährfahrt genies­sen. Zumindest deut­lich mehr als die Überfahrt von San Jorge nach Pico.

Unsere Unterkunft bei Horta

Vom Fährhafen fah­ren wir direkt zu unse­rer Airbnb-Unterkunft in der Gemeinde Conceição, nur weni­ge Fahrminuten von Horta ent­fernt. Wir wer­den bereits erwar­tet, und was wir sehen, gefällt uns sofort. Die Lage ist her­vor­ra­gend, die Aussicht eben­so.

Nach den eher abge­le­ge­nen Unterkünften der letz­ten Tage fühlt sich das ange­nehm unkom­pli­ziert an. Man ist schnell in der Stadt, hat trotz­dem Weite vor sich und merkt rasch: Faial wird uns den Alltag etwas ein­fa­cher machen.

Sicht vom Airbnb auf das Dorf Conceicao mit Kirche und Meer im Hintergrund

Capelinhos: Faials junge Vulkanlandschaft

Unser ers­ter Ausflug führt uns ans ande­re Ende der Insel, zum Capelinhos-Vulkan. Er ent­stand erst durch den Ausbruch von 1957/58 und erwei­ter­te Faial damals um ein Stück Neuland.

Der ver­las­se­ne Leuchtturm steht heu­te inmit­ten die­ser grau­en Aschelandschaft und wirkt fast wie ein Mahnmal. Es ist ein­drück­lich zu sehen, wel­che Kraft die­ser Ausbruch gehabt haben muss. Wir lau­fen ein Stück hin­auf, und von dort oben wirkt die gan­ze Szenerie noch sur­rea­ler: grau, karg, offen, bei­na­he mond­ar­tig. Der klei­ne Effort lohnt sich.

Ebenfalls emp­feh­lens­wert ist das Interpretationszentrum. Die Ausstellung ist emp­feh­lens­wert und ver­mit­telt ein­drück­lich, wie dra­ma­tisch sich der Ausbruch von 1957/58 auf Faial aus­ge­wirkt hat.

Sicht von erhöhter Lage auf den Capelinhos Vulkan und den Leuchtturm

Caldeira do Faial: einmal rund um den Krater

Für den heu­ti­gen Tag haben wir eine Wanderung geplant. Das Wetter ist per­fekt: Sonne, wenig Wind und end­lich ein­mal Bedingungen, bei denen man nicht zuerst das Regenradar befra­gen muss.

Wir errei­chen den Parkplatz bei der Caldeira do Faial, der bereits gut besetzt ist. Also par­kie­ren wir am Strassenrand. Am Startpunkt, der zugleich auch Aussichtspunkt ist, ste­hen wir am Rand die­ses gewal­ti­gen, rund zwei Kilometer brei­ten Kraters. Steil fal­len die dicht bewach­se­nen Hänge zum Kratergrund ab. Schon die­ser ers­te Blick ist ein­drück­lich.

Vom Kraterrand Sicht auf den Kratersee Caldeira do Faial

Der Kraterrand zeigt Zähne

Der Wanderweg führt ent­lang der Kraterkrete. Wir lau­fen los – und mer­ken bald, dass es nicht ganz so gemüt­lich wird, wie wir es uns viel­leicht vor­ge­stellt hat­ten. Das ers­te Drittel geht steil berg­auf. Der Weg ist zer­klüf­tet, nass und mat­schig.

Spätestens jetzt bereue ich, dass ich nicht die rich­ti­gen Wanderschuhe ein­ge­packt habe, son­dern nur mei­ne leich­ten, knö­chel­frei­en Schuhe tra­ge. Lotti ist da deut­lich bes­ser unter­wegs. Als ich dann auch noch in ein Schlammloch tre­te und den Schuh tropf­nass wie­der her­aus­zie­he, reisst mir kurz der Nerv. Dass Lotti davon nicht begeis­tert ist, ist ver­ständ­lich.

Wir machen eine Pause. Ich drü­cke inner­lich den Reset-Knopf. Nach einem Snickers geht es wei­ter.

Wenn der Krater wieder versöhnt

Nachdem wir etwa ein Drittel der Strecke hin­ter uns haben, wird der Wanderweg deut­lich ein­fa­cher. Das ver­söhnt mich mit der Caldeira do Faial – und end­lich bleibt auch wie­der Raum für den Blick.

Während wir wei­ter ent­lang des Kraterrands gehen, wird einem bewusst, wel­che Kräfte hier ein­mal gewirkt haben müs­sen. Dieser rie­si­ge Kessel, die stei­len grü­nen Wände, die Tiefe in der Mitte – irgend­wie unvor­stell­bar. Man kann es geo­lo­gisch erklä­ren, aber wirk­lich begrei­fen lässt es sich nur schwer.

Müde, aber zufrie­den errei­chen wir schliess­lich unse­ren Mietwagen und machen uns auf den Weg zurück zum Airbnb.

Horta am Abend: Gin, Hafenbilder und Blick auf Pico

Peter Café Sport: Atlantikluft im Glas

Auf Empfehlung wol­len wir heu­te Abend im Restaurant Atlético essen. Vorher zieht es uns aber ins Peter Café Sport, einen der bekann­tes­ten Treffpunkte der Atlantiksegler. Hier wol­len wir den viel gerühm­ten Gin Tonic pro­bie­ren – oder bes­ser gesagt: ver­ste­hen, wes­halb die­ser Ort für so vie­le Segler fast schon ein fes­ter Bestandteil der Atlantikroute ist.

Seit Generationen kom­men hier Crews aus aller Welt zusam­men, bevor oder nach­dem sie den Ozean über­quert haben. Und ja, man spürt schnell: Horta ist anders. Offener, mari­ti­mer, etwas welt­läu­fi­ger als die Orte, die wir auf den ande­ren Inseln erlebt haben. Vom Hafen aus hat man zudem die­sen wun­der­ba­ren Blick hin­über zum Vulkan Pico – eine Kulisse, die uns kaum los­lässt.

Auf dem Weg zum Peter Café tref­fen wir auf eine Gruppe Jugendlicher, die mit einem Schulsegelschiff meh­re­re Monate auf See unter­wegs ist – eine Art segeln­des Klassenzimmer. Statt im nor­ma­len Schulzimmer ler­nen sie wäh­rend rund sie­ben Monaten an Bord, zwi­schen Unterricht, Wachdienst und Alltag auf dem Meer.

Hafen von Horta, Sicht auf das bemalte Pier

Die dreiunddreissigste Fahrt dieses Schiffes verewigen sie mit einem Gemälde auf dem Pier, wie es viele andere Schiffsbesatzungen ebenfalls tun. Hunderte solcher Bilder verzieren Wände und Hafenmauern: manche schlicht, andere kleine Kunstwerke. Es ist einer dieser Orte, an denen man merkt, dass Durchreisen auch Spuren hinterlassen kann.

Wir ergat­tern einen Aussentisch und genies­sen Gin und Pico-Sicht. Und ja: Peter’s Gin do Mar, eine Mischung aus Gin und Maracuja-Likör, ist tat­säch­lich nicht zu ver­ach­ten.

Sicht auf den Hafen von Horta mit dem Vulkan Pico im Hintergrund

Restaurant Atlético: Horta zeigt Betrieb

Danach machen wir uns auf den Weg zum Restaurant Atlético. Es scheint wirk­lich einen guten Ruf zu haben; eini­ge Reisegruppen sit­zen bereits an den Tischen. Obwohl wir nicht reser­viert haben, bekom­men wir noch einen Platz im Aussenbereich. Das ist uns recht, denn innen geht es bereits ziem­lich laut zu.

Gäste tref­fen nun im Minutentakt ein, und wenig spä­ter ist das Restaurant voll. Für uns ist das eher unge­wohnt. Bisher hat­ten wir – abge­se­hen vom Sushi-Restaurant auf Pico – kaum Mühe, spon­tan einen Tisch zu fin­den.

Aber Faial, und Horta im Besonderen, scheint ein eige­ner Magnet zu sein. Hier ver­dich­tet sich vie­les, was die­se Insel aus­macht: Hafen, Segler, Reisende, Abendlicht, Betrieb – und immer wie­der die­ser Blick hin­über nach Pico.

Letzter Tag auf Faial: Horta, Levada Trail und eine unerwartete Benzinsuche

Zurück an den Hafen von Horta

Das Wetter hat wie­der gekehrt. Regen und Sonne wech­seln sich ab, und wir neh­men es ent­spre­chend gemüt­lich. Am Morgen fah­ren wir noch­mals nach Horta. Mit den Jugendlichen vom Schulsegelschiff habe ich abge­macht, sie zu fil­men, wäh­rend sie ihr Gemälde auf dem Pier voll­enden.

Es ist ein schö­ner Moment: jun­ge Menschen auf lan­ger Reise, ein Schiff im Hafen, Farbe auf Beton und die­se beson­de­re Tradition, sich in Horta mit einem Bild zu ver­ewi­gen. Man ver­steht hier gut, wes­halb die­ser Hafen für Atlantiksegler mehr ist als nur ein Zwischenstopp.

Levada Trail: grün, aber nicht ursprünglich

Anschliessend fah­ren wir in den Westen der Insel. Geplant ist eine Wanderung auf dem Levada Trail. Nach kur­zer Zeit bre­chen wir jedoch ab. Entlang der Wasserkanäle zu wan­dern, fin­den wir nicht beson­ders attrak­tiv.

Dazu kommt, dass die japa­ni­schen Sicheltannen, einst ein­ge­führt, heu­te gros­se Teile der Landschaft prä­gen. Das macht den Weg für uns auch öko­lo­gisch ambi­va­lent: Grün ist hier nicht auto­ma­tisch gleich ursprüng­lich. Auffallend ist zudem, dass wir kei­nen ein­zi­gen Vogel sin­gen hören. Für uns reicht das, um umzu­dre­hen.

Vermooster Wald von japanischen Sicheltannen entlang der Levada

Abschiedsabend im Peter Café Sport

Am Abend zieht es uns noch­mals nach Horta, ins Peter Café Sport. Für unser Abschiedsessen von Faial möch­ten wir noch ein­mal die­sen Blick genies­sen: über den Hafen, über die bemal­ten Mauern und hin­über zum majes­tä­ti­schen Pico.

Es ist ein pas­sen­der letz­ter Abend auf der Insel. Nicht spek­ta­ku­lär, aber stim­mig – mit Hafenluft, Atlantikgeschichten und dem Gefühl, an einem Ort zu sit­zen, an dem vie­le Reisen kurz inne­hal­ten.

Benzinsuche vor dem Abflug

Unser Flug nach Ponta Delgada geht erst nach Mittag. Wir neh­men es gemüt­lich – bis zu dem Moment, in dem wir an der ers­ten Tankstelle einen Informationszettel sehen: kein Benzin mehr.

Wir schau­en uns an. Etwas selt­sam ist das schon. Also fah­ren wir zur nächs­ten Tankstelle – glei­che Situation. Erst bei einer wei­te­ren sehen wir, dass es dort offen­bar noch Benzin gibt, aller­dings auch eine lan­ge Schlange war­ten­der Autos. Nun sind wir doch etwas irri­tiert.

Lotti recher­chiert im Netz und fin­det den Grund: Hamsterkäufe, weil der Benzinpreis am nächs­ten Tag um 30 oder 40 Cent stei­gen soll. Nun gut. Ich erin­ne­re mich an eine Tankstelle in der Nähe des Flughafens. Dort kön­nen wir schliess­lich tan­ken und wenig spä­ter den Mietwagen abge­ben.

Zurück nach São Miguel

Der Rückflug nach São Miguel erfolgt wie­der mit einer Dash 8 Turbopropmaschine von Bombardier. Mit einer Propellermaschine zu flie­gen, ist schon ein ande­res Flugerlebnis – beson­ders beim Start. Da geht was ab.

Unser Eindruck von Faial: Horta, Pico-Blick und junge Vulkangeschichte

Faial hat uns vor allem durch sei­ne Mischung gefal­len. Die Insel wirkt zugäng­li­cher als São Jorge, mari­ti­mer als Pico und per­sön­li­cher als São Miguel. Das liegt vor allem an Horta. Der Hafen, die Segler, das Peter Café Sport, die bemal­ten Piers und der Blick hin­über zum Pico geben der Stadt eine beson­de­re Atmosphäre. Für uns ist Horta die schöns­te Ortschaft die­ser Reise, wenn man ein ech­tes Zentrum sucht.

Auch land­schaft­lich bleibt Faial stark in Erinnerung. Die Umwanderung der Caldeira war zwar stel­len­wei­se schwie­ri­ger als gedacht, aber der Blick in den gros­sen Krater war ein­drück­lich. Am Capelinhos-Vulkan wird zudem sicht­bar, wie jung und leben­dig die Vulkangeschichte der Azoren ist. Die graue Aschelandschaft und der ver­las­se­ne Leuchtturm wir­ken nicht wie Vergangenheit aus dem Lehrbuch, son­dern wie etwas, das noch nahe ist.

Faial war für uns eine Insel mit Balance: schö­ne Natur, gute Restaurants, ein leben­di­ges Zentrum und immer wie­der die­ser Blick auf Pico. Gerade die­se Verbindung aus Hafenatmosphäre, Vulkanlandschaft und Weite mach­te die Insel zu einem der ange­nehms­ten Abschnitte unse­rer Azorenreise.

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