Grüne Matten mit Kühen, blaues Meer und Sicht auf Sao Jorge

Pico Azoren: zwischen Lava, Grün und Atlantik

von | 14.05.2026 | Portugal

Pico zeigt sich uns zunächst von sei­ner unru­hi­gen Seite: Regen, Wind und eine Fährüberfahrt, die mehr Konzentration ver­langt als Vorfreude. Doch kaum klart der Himmel auf, ver­än­dert sich die Insel. Plötzlich lie­gen Santo Amaro, das Meer und São Jorge in einem Licht vor uns, das man nicht so schnell ver­gisst.

Pico ist eine Insel aus dunk­lem Lavagestein, sat­tem Grün und einem Vulkan, der sich nicht ein­fach auf Bestellung zeigt. Gerade die­se Mischung aus rau­er Küste, wei­ten Ausblicken und gele­gent­li­cher Wetterlaune macht unse­re Tage auf Pico so ein­drück­lich.

Unsere Azorenroute im April: São MiguelSão Jorge — Pico ‑Faial — São Miguel

Überfahrt nach Pico: zwischen Seegang und Erleichterung

Am nächs­ten Morgen früh­stü­cken wir noch gemüt­lich und berei­ten uns auf die Abreise vor. Leider hat sich das Wetter gegen­über dem Vortag wie­der deut­lich ver­schlech­tert. Es reg­net unun­ter­bro­chen, und auch der Wind hat spür­bar zuge­nom­men. 

Als klei­ne Vorsichtsmassnahme neh­men wir Tabletten gegen Seekrankheit. Danach gehen wir auf die Fähre, die bereits im Hafen ziem­lich hef­tig schau­kelt. Das ist nicht unbe­dingt der Moment, in dem man sich inner­lich ent­spannt zurück­lehnt. Lotti nimmt einen Platz am Fenster. Ich ent­schei­de mich für einen Sitzplatz in der Mitte des Schiffes, dort soll es am sta­bils­ten sein. Bald sind wir auf offe­ner See, und die Fähre stampft und rollt ihrem Ziel ent­ge­gen. Ich bin jeden­falls sehr froh, als wir in Madalena auf Pico ankom­men. Lotti meint, das sei doch ganz easy gewe­sen. Mir per­sön­lich hat es gereicht. Seekrank wur­de ich zwar nicht, aber unter Vergnügen ver­bu­che ich die­se Überfahrt trotz­dem nicht.

Ankommen in Santo Amaro

Nach einer kur­zen Wartezeit ver­la­den wir das Gepäck ins Mietauto. Bevor wir wei­ter­fah­ren, gehen wir zu Fuss noch in ein Restaurant, um eine Kleinigkeit zu essen. Danach machen wir uns auf den Weg zu unse­rem nächs­ten Airbnb in Santo Amaro, das Atlantis Pico.

Nach etwa 45 Minuten errei­chen wir das Haus, das für drei Nächte unser Zuhause sein wird. Wie schon im ers­ten Airbnb ist es innen zunächst unan­ge­nehm kalt. Die Lage und die Einrichtung über­zeu­gen uns aber sofort. Und nach­dem die Klimaanlage nach eini­gem Hin und Her tat­säch­lich heizt und zusätz­lich zwei elek­tri­sche Radiatoren bereit­ste­hen, wird es gegen Abend auch im Haus ange­nehm warm.

Sicht auf Santo Amaro Pico und das Meer

Die Casa Atlantis Pico liegt etwas erhöht und bie­tet einen wei­ten Blick hin­un­ter auf Santo Amaro, hin­aus aufs Meer und hin­über nach São Jorge. Erst jetzt wird uns rich­tig bewusst, wie schön die­ses Airbnb. Der Ausblick hät­te durch­aus das Zeug, an die Côte d’Azur zu erin­nern – nur ohne Massentourismus, ohne Selfiesticks und ohne das Gefühl, dass jeder Quadratmeter bereits ver­mark­tet ist. Hier wirkt alles stil­ler, ursprüng­li­cher, etwas selbst­ver­ständ­li­cher.

Abendessen in Prainha

Für das Abendessen fah­ren wir nach Prainha, ins Adega Açoriana – Tapas & Wine House. Nach den etwas umständ­li­che­ren Wegen auf São Jorge sind wir froh, dies­mal nur weni­ge Minuten bis zu einem Restaurant fah­ren zu müs­sen. Manchmal misst sich Komfort auf Reisen nicht an gros­sen Dingen. Sondern dar­an, ob man nach einem nas­sen Reisetag, einer unru­hi­gen Fährfahrt und einem küh­len Haus nicht noch eine hal­be Insel durch­que­ren muss, um an einem war­men Tisch zu sit­zen.

Arcos: schwarze Lava am Meer

Nach dem stür­mi­schen Vortag begrüsst uns Pico mit blau­em Himmel und Sonne. Wir machen uns auf den Weg nach Arcos. An der Küste fühlt es sich an, als sei die Zeit ste­hen geblie­ben. Die pech­schwar­zen Lavaformationen lie­gen dort so scharf­kan­tig und bizarr am Meer, als wäre der glü­hen­de Strom erst vor Kurzem erstarrt. Beeindruckt kra­xeln wir über die Lava bis zu jener Stelle, an der sich ein natür­li­cher Lavabogen gebil­det hat. Die Landschaft ist rau, dun­kel und von einer eigen­ar­ti­gen Schönheit. Nichts dar­an ist gefäl­lig, aber genau das macht sie so stark.

Sicht auf die Lavaküste und das Meer bei Arco

Cachorro: zwischen Klippen und Hundekopf

Anschliessend fah­ren wir wei­ter ent­lang der Küste bis zum klei­nen Ort Cachorro. Über ange­leg­te Pfade und Treppen lässt sich dort ein Labyrinth aus schwar­zen Klippen erkun­den. Man geht zwi­schen dunk­lem Lavagestein, Spalten und Meerblick hin­durch und merkt, wie stark Pico von die­sem Material geprägt ist. Das Wahrzeichen des Ortes ist eine bizar­re Felsformation, die an einen Hundekopf erin­nert. Viele kom­men genau des­we­gen nach Cachorro – und tat­säch­lich braucht es nicht all­zu viel Fantasie, um die Form zu erken­nen.

Hundekopf aus Vulkangestein, das Meer im Hintergrund

Mittagessen mit Meerblick in Prainha

Danach fah­ren wir zurück in Richtung unse­rer Unterkunft und keh­ren noch­mals im Adega Açoriana – Tapas & Wine House ein. Diesmal kön­nen wir den Lunch auf der Terrasse genies­sen, mit schö­nem Blick auf das Meer. Nach schwar­zer Lava, Atlantik und Sonne passt die­ser Ort aus­ge­zeich­net in den Tag: unkom­pli­ziert, ange­nehm und nah genug an unse­rer Unterkunft.

Sicht auf das Meer von der Terrasse des Restaurants Adega Acoriana

Lagoa do Capitão: der Pico bleibt verborgen

Am Nachmittag beschlies­sen wir, zur Lagoa do Capitão zu fah­ren – in der Hoffnung, end­lich einen Blick auf den Pico zu bekom­men. Am pit­to­res­ken See ange­kom­men, wer­den wir aller­dings ent­täuscht. Der Berg ver­hüllt sich in Nebelschwaden, die inner­halb weni­ger Minuten immer dich­ter wer­den. Wir war­ten noch einen Moment, ob sich die Situation viel­leicht ändert. Doch der Nebel bleibt. Also fah­ren wir wei­ter und ent­schei­den uns für die Estrada Transversal.

Sicht über den Lagoa do Capitao

Estrada Transversal: oben grau, unten blau

Die Fahrt wird zu einer ziem­lich eige­nen Erfahrung. Der dich­te Nebel ver­wan­delt die Hochebene in eine fast blin­de Reise; die bekann­ten Seen ver­schwin­den voll­stän­dig im Grau. Dazu kommt die Strasse selbst: unzäh­li­ge Schlaglöcher zwin­gen uns zu einer stän­di­gen Slalomfahrt. 

Mit der Zeit fährt auch ein mul­mi­ges Gefühl mit. Eine Reifenpanne hier oben, ohne zuver­läs­si­gen Handyempfang, wäre defi­ni­tiv nicht das Ferienerlebnis, auf das wir Wert legen. Schade ist es trotz­dem, denn die­se Strecke hät­te bei kla­rer Sicht sicher ihren Reiz. Aber so ist es auf den Azoren: Das Wetter ver­han­delt nicht. Nach gut einer Stunde errei­chen wir wie­der die Küstenstrasse – bei son­ni­gem Wetter. Es ist schon erstaun­lich: oben grau, unten blau.

Mar Sushi Terrace: ein gelungener Abschluss

Die Zeit passt, und wir fah­ren noch ein paar Kilometer wei­ter zum Mar Sushi Terrace. Zum ers­ten Mal müs­sen wir war­ten; das Restaurant ist rap­pel­voll. Aber das Warten lohnt sich. Wir genies­sen eine aus­ge­zeich­ne­te Sushi-Küche und las­sen den Tag kuli­na­risch aus­klin­gen.

Pico hat uns an die­sem Tag viel gezeigt: schwar­ze Lava, wei­tes Meer, schö­ne Terrassen – und einen Vulkan, der sich lie­ber im Nebel ver­steckt.

Ponta da Ilha: Lavaküste, Leuchtturm und Atlantik

Am nächs­ten Morgen ent­schei­den wir uns für eine Wanderung. Gleich nach dem Start in Manhenha wird es auf dem Weg zur Ponta da Ilha ernst. Das ers­te Stück über die Lavafelsen bis zum Leuchtturm ist für uns anspruchs­voll. Die pech­schwar­ze Lava ist scharf­kan­tig, fast mes­ser­scharf, und die gelb-roten Wandermarkierungen sind nicht immer leicht zu fin­den.

Wanderung Ponta da Ilha auf Lavagestein und Sicht auf den Leuchtturm

Nach dem Leuchtturm wird der Weg ein­fa­cher. T1-Niveau. Wir sind froh dar­über, denn der ers­te Abschnitt steckt uns bereits etwas in den Beinen. Später führt der Weg aller­dings erneut über Lavaklippen. Da uns die Müdigkeit schon in den Knochen sitzt, ist uns das Risiko auf die­sem scharf­kan­ti­gen Basalt irgend­wann zu gross. Wir neh­men des­halb den nächs­ten Stichweg als eine Art Notausgang zur Strasse und lau­fen von dort zurück nach Manhenha. Es bleibt eine loh­nens­wer­te Runde – vor­aus­ge­setzt, Kondition und Trittsicherheit stim­men.

Terra Alta: Ausblicke entlang der Küste

Leider ist das ein­zi­ge Restaurant im Dorf aus­ge­bucht. Also fah­ren wir zurück in Richtung unse­rer Unterkunft und erkun­den unter­wegs mit dem Auto noch die Küstenregion Terra Alta. Immer wie­der wer­den wir mit schö­nen Ausblicken belohnt: Meer, Hänge, dunk­le Felsen und die­se beson­de­re Pico-Mischung aus Grün und Lava.

Sicht auf die Landschaft der Terra Alta

Für unse­ren letz­ten Abend auf Pico haben wir uns für das Restaurant Magma in Terra Alta ent­schie­den. Wir bekom­men noch einen Tisch, wirk­lich glück­lich wer­den wir aber weder mit Service und Ambiente noch mit dem Essen. Schade. Vielleicht färbt hier die unmit­tel­ba­re Nähe zu einem Hotel ab, das selbst kein eige­nes Restaurant anbie­tet.

Abschied von Pico und Überfahrt nach Faial

Etwas schwer­mü­tig ver­las­sen wir am nächs­ten Morgen unser Airbnb. Es war wirk­lich ein tol­les Haus, und wir hät­ten es durch­aus noch etwas län­ger aus­ge­hal­ten. Die Rückgabe des Mietwagens im Fährhafen von Madalena gestal­tet sich ziem­lich feucht: Es reg­net in Strömen.

Unsere Fähre nach Faial ist ein klei­ne­res Schiff. Wir neh­men auf den Stühlen im Aussenbereich des Hecks Platz. Inzwischen hat es auf­ge­hört zu reg­nen, doch das Meer ist alles ande­re als ruhig. Die Schaumkronen auf den Wellen las­sen bereits erken­nen, dass es kei­ne ganz glat­te Fahrt wird. Aber es sind nur rund 25 Minuten bis nach Horta, unse­rer nächs­ten Destination. Und ja, das Boot rollt immer wie­der von einer Seite zur ande­ren, aber es hält sich in Grenzen. Mit fes­tem Blick auf den Horizont kann sogar ich die­se Fährfahrt genies­sen.

Unser Eindruck von Pico

Pico hat uns fas­zi­niert, weil die vul­ka­ni­sche Herkunft der Azoren hier beson­ders sicht­bar wird. Der Vulkan domi­niert die Insel, auch dann, wenn er sich hin­ter Wolken ver­steckt. Man sieht ihn nicht nur als Berg am Horizont, son­dern spürt sei­nen Einfluss in der gan­zen Landschaft.

Dazu kommt die­se Mischung aus schwar­zem Lavagestein, sat­tem Grün und rau­er Küste. Bei Arcos, in Cachorro oder auf der Wanderung zur Ponta da Ilha wird deut­lich, wie stark Lava die Insel geformt hat. Pico wirkt dadurch unmit­tel­ba­rer und für uns deut­lich span­nen­der als São Miguel – eine Insel, auf der der vul­ka­ni­sche Charakter nicht nur Hintergrund ist, son­dern das gan­ze Reisegefühl prägt.

Neuste Beiträge

Über Philippe & Lotti (VACANZAS)
Wir konzentrieren uns auf stilvolle und genussreiche Reisen für Paare und Solo-Reisende. Statt eines klassischen Reiseführers bieten wir Dir persönliche Einblicke aus erster Hand – unabhängig finanziert und ohne Verpflichtungen gegenüber Dritten.

Entdecke sorgfältig ausgewählte, stilvolle Unterkünfte (vom Boutique-Hotel bis zum privaten Hideaway), genussvolle Kulinarik und schöne Routen, um Regionen mit Tiefe und Intensität zu erleben.

Die neuesten Artikel aus der Rubrik Portugal
São Jorge Azoren: zwischen Fajãs, Wind und Atlantik

São Jorge Azoren: zwischen Fajãs, Wind und Atlantik

São Jorge empfängt uns nicht mit offenen Armen, sondern mit Wind, Regen und einem ruppigen Landeanflug. Die Insel macht von Beginn weg klar, dass sie nicht gefallen will um jeden Preis. Sie ist rauer als São Miguel, abgeschiedener – und gerade deshalb interessant....

Roadtrip Portugal Algarve im Herbst

Roadtrip Portugal Algarve im Herbst

Natur und Biken: Küstenlandschaften von der wilden Algarve bis zu den ruhigen Klippen am Praia do Canal – ideal für Erkundungen auf zwei Rädern. Authentische Eindrücke: Kleine Dörfer, eindrucksvolle Küstenlandschaften und charmante Orte wie Vila Viçosa zeigen die...